Herzlich Willkommen auf der Website des Weltumseglers und Abenteurers Wolfgang Clemens!
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Südasien - Von Afrika nach Vietnam

Im Dezember 2009 flog ich zurück nach Tansania, wo meine Segelyacht Bavaria II auf mich wartete. Das Schiff brauchte dringend einen neuen Unterwasseranstrich, denn in meiner 6-monatigen Abwesenheit hatte sich ein Unterwasser-Biotop am Rumpf entwickelt. Deshalb nahm ich das Problem gleich in Angriff und stellte sie an drei Stahlstützen, um mit der Tide trocken zu fallen. Dabei rutschte eine Heckstütze weg, weswegen drei Bodenwrangen durch das Eigengewicht des Schiffs brachen, das auf dem Kiel stand. Bei mir herrschte absolute Alarmstimmung. Schnell habe ich die Heckstütze wieder positioniert und später über die Bruchstellen der Querstreben Polyesterstreifen geklebt. In letzter Minute konnte ich das Absaufen verhindern.

 

Nach 2-monatiger Improvisationsarbeit hatte ich meinen Kahn endlich soweit, dass ich auf die Reise gehen konnte. Mein Ziel war zum dritten Mal Madagaskar, die Trauminsel im Indischen Ozean. Drei Wochen kämpfte ich mich gegen Strom und Wind nach Süden. Die Afrikanische Küste mit ihren zahlreichen Inseln bot mir viel Traumhaftes, aber auch viel Ärger. Einige Gewitter und hässliche Stürme machten mir das Leben schwer, aber auch Diebe haben zwei Mal versucht, sich an meinem Hab und Gut zu bereichern. Trotzdem bot mir die Reise auch viel Erfreuliches. Täglich wurde ich von den Einheimischen mit Langusten, riesigen Bären-Krebsen und Fischen verwöhnt, denn eine Yacht in dieser Region war für sie eine Seltenheit.

In Mosambik nahm ich Kurs zu den Komoren und fuhr exakt zwischen den Inseln Mohéli und Anjuuan durch. Da ich früher dort schon mal im Gefängnis saß und das nicht nochmal erleben wollte, wählte ich eine andere Rute als damals. Wieder versuchten sie mich zu zwingen in den Hafen Fomboni einzulaufen, was ich aber mit Ausweichmanövern verhindern konnte. In Mayotte nahm ich drei Freunde aus Ingolstadt an Bord, die mit mir nach Madagaskar segelten. Drei Monate verbrachte ich auf meiner Trauminsel Nosy Komba, die absoluten Südseecharakter aufweist. Hätte ich nicht einen Charter in den Malediven gehabt, wäre ich sicherlich in meinem kleinen Paradies geblieben.

 

Am Nordkap erwischte mich ein gewaltiger Sturm, der mich wegen Schäden am Schiff zwang, zurück nach Tansania zu segeln. Dort traf ich Segler, die schon Monate vorher zu den Seychellen segeln wollten, aber aus Angst vor den Somali-Piraten den Hafen noch nicht verlassen hatten. Drei Yachten sollen zu dieser Zeit vor der Küste oder auf dem Weg zu den Seychellen gekapert worden sein. Als ich meine Sturmschäden beseitigt hatte, nahm ich erneut Kurs zu den Malediven auf. Da die Piraten auf der Linie Kenia-Tansania zu den Seychellen auf der Lauer lagen, segelte ich Richtung Nordost und querte in Höhe der Seychellen, aber schon weit davor, den Äquator. Es ging gut, ich wurde nicht erwischt. Nach 22 Tagen erreichte ich das Taucherparadies der Malediven und schon zwei Wochen später schienen mir wieder Kiemen und Flossen gewachsen zu sein, da ich mich ständig Unterwasser aufhielt.

 

Mein nächstes Ziel war nun Sri Lanka, wo ich mir ein Auto mietete und damit zwei Wochen lang die wunderschöne Insel durchstreifte. Das Land ist sicher, die Leute freundlich und die Natur hat dort ihr Bilderbuch aufgeschlagen. Danach setzte ich wieder Segel und legte meinen Kurs in Richtung Sumatra in Indonesien. Gewitter mit heftigen Stürmen, unglaublich starker Seeverkehr, Piraten und Seezigeuner, die an Bord kommen wollten, ließen mich die nächsten zehn Tage kaum schlafen. Am Nordkap von Sumatra trat wieder ein starker Sturm auf, wobei das Ruder und der Segel-Baum gebrochen sind. Fünf Tage später und nach insgesamt 42 Tagen auf See erreichte ich schließlich völlig geschafft die Insel Langkawi in Malaysia. Dort kam meine Bavaria II an Land, um die Schäden der 15.000 Kilometer langen Seereise zu beseitigen, wobei mir die Mückeninvasion die Arbeit in den drei Wochen aber nicht gerade erleichterte. Ich traf den Deutschen Segler Jürgen Kantner mit seiner Frau, die aus dem Roten-Meer kommend an der Küste von Oman gekapert und in die Berge von Somalia verschleppt worden waren. Erst nach zwei Monaten Horrorerlebnissen sind sie von der Deutschen Regierung freigekauft worden.

 

Pünktlich zum berühmten Lichterfest, wo tausende kleine, blumenreich geschmückte Flöße mit Kerzen auf das Meer hinausgeschickt werden, war ich in Phuket. Die folgenden vier Monate wechselten sich Freunde aus Regensburg und Ingolstadt bei mir an Bord ab. Ich zeigte meinen Gästen die für mich schönste Küste der Welt zwischen Malaysia und Burma. Unzählige Inseln, die Weltruhm erreichten, wie z.B. der James-Bond-Felsen aus dem Film „Der Mann mit dem Goldenen Colt“ in der Phang Nga-Bucht, die zum UNESCO-Welt-Kultur-Erbe zählt, oder die berühmte Insel Phi Phi Island, wo der Film „The Beach“ gedreht wurde, oder auch das Tauchparadies der Similan Islands mit seinen traumhaften Tauchgründen. Das kristallklare, warme Wasser, mit dem Artenreichtum der Unterwasserwelt, die menschenleeren Sandstrände, die sanfte See mit ihrer ständig kühlenden Briese und die Freundlichkeit der Menschen, machen Thailand zu einem der schönsten Segel- und Tauch-Reviere der Welt. Anfang April 2011 erwischte mich meine ständig wiederkehrende Krankheit, an der ich schon mein ganzes Leben lang leide. Das „Reisefieber“, es packte mich wieder mit brutaler Gewalt.

 

Ich verankerte meine Yacht in einem Mangroven-Dschungel auf der Insel Langkawi und schulterte meinen Trecking-Rucksack. Ich durchstreifte ganz Thailand von Süd nach Nord und von West nach Ost. In den vier Monaten legte ich alleine in Thailand 8.000 km zurück, besuchte alle wichtigen Tempel und Naturschönheiten und vergaß dabei nicht, meinen angeborenen Abenteuer-Tick zu stillen. Leider erlebte ich nicht nur Höhen, sondern auch einige Tiefen. Mein Seelenfrieden wurde aber durch die Freundlichkeit der frommen Menschen wieder ins Gleichgewicht gebracht.

Elefantenreiten, Wildwater Rafting, mit einer Herde Affen balgen, ausgewachsene Tiger streicheln, genau das habe ich gebraucht. Trotz Behinderung durch den Ärztemurks an meinem Bein motivierte mich Thailand, meine Power war unglaublich. „Alles im Leben ist Kopfsache und der Wille versetzt Berge!“ Es tauchten Bilder aus der Vergangenheit auf, als ich zwei Jahre lang den herausfordernden Trip durch fast 30 Länder Afrikas meisterte und dabei auf dem Landweg über 52.000 Kilometer zurücklegte. Obwohl nun 13 Jahre älter und schwer behindert, wollte ich auch wieder auf dem Landweg nach Deutschland reisen.

 

„Der Weg ist das Ziel“, dachte ich mir und so nahm mein Traum spontan seine Formen an. Bald stand ich staunend vor den größten Tempel-Ruinen der Welt, in Kambodscha. Ob Angkor Wat, Angkor Thom, Pre Rup, East Mebon, Ta Som, oder der Bayon Tempel, sie alle sind Zeugen der gewaltigen Khmer-Epoche aus längst vergangener Zeit. Es war die größte Besiedlung Asiens, welche heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Auf dem Weg nach Phnom Penh besuchte ich die Schwimmenden Dörfer im Tonle Sap See, deren Menschen ihr Leben lang auf Hausbooten leben und sich vom Fischfang ernähren. In der Hauptstadt lernte ich als hart gesottener Seewolf aber das Gruseln. Ich besichtigte das dortige Killing Field, auf dem zu Zeiten der Roten-Khmer in den Siebzigern hunderttausende Kambodschaner den Tod fanden und deren Totenschädel aufgestapelt in einem riesigen Turm als Mahnmal dienen. Mir wurde besonders dort bewusst, zu welchen Gräueltaten der Mensch fähig ist. Einige Millionen Menschen wurden zu Tode gequält, fast ein Drittel der gesamten Bevölkerung des armen Landes, und die Welt schaute stillschweigend zu. Erst die Vietnamesen machten dieser unmenschlichen Epoche ein Ende und vertrieben die Roten-Khmer. Die Schönheiten, wie der prunkvolle Königspalast und die vielen Tempel in der Hauptstadt Phnom Penh haben danach einen schalen Beigeschmack hinterlassen.

 

Zum sechsten Mal fuhr ich dann nach Bangkok. Ich setzte mich dort in den Bus nach Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Sofort spürte ich die einstige Herrschaft der Franzosen, da zahlreiche Boutiquen und Straßen-Cafés entlang des Mekong-Ufers in Laos zu finden sind. Dazwischen liegen teils gewaltige Tempelanlagen, die ständig von gläubigen Mönchen durchstreift wurden.

Nach ein paar Tagen begab ich mich auf einer Serpentinen-Straße zu meinem nächsten Reiseziel. Durch Bergschluchten, entlang an Steilhängen, bergauf, bergab, ging es 12 Stunden lang nach Luang Prabang. Ob die berühmte Klosterstadt, der Königspalast, all die vielen Buddhistischen Tempel, eine Kanufahrt auf dem Mekong zur Buddha-Höhle, das Überangebot an allen möglichen Waren auf dem abendlichen Markt oder die unzähligen Bars und Cafés, alles trägt dazu bei, dass ich dieses Land noch einmal besuchen werde. Wieder zurück in Vientiane, lag ich bald im Schlafbus nach Vietnam.

 

An der Grenze wiederfuhr mir eine unliebsame Begegnung mit zwei jüdischen Backpackerinnen, allerdings mit einem erfreulichen Resultat. Der Busfahrer ließ sie an der Grenze zurück, weil sie sich nicht an die Richtlinien des Reisebusses halten wollten. Manche Leute schleppen sogar ihren Alltagsstress mit in den Urlaub und sind dann ständige Quertreiber. Das ist auch der Grund, warum ich eher ein Einzelgänger geworden bin, da ich mich oft der Gepflogenheiten zivilisierter Westler schäme. Im Ausland hatte ich bislang kaum Probleme mit Einheimischen, eigentlich immer nur mit Touris.

Am Nachmittag erreichte ich die alte Kaiserstadt Hue mit ihrer gewaltigen Stadtzitadelle, den vielen Tempeln, Pagoden und Kaisergräbern. Nachdem ich das Sehenswerteste abgegrast hatte, fuhr ich über den bekannten Wolkenpass, der im letzten Krieg die Grenze zwischen Nord- und Südvietnam bildete, nach Hoi An. Dort ließ ich mich durch die historische Altstadt mit ihrer berühmten Japanischen Brücke treiben und schlenderte an der stimmungsvollen Uferpromenade entlang, die an Venedig erinnert. Danach folgte die Tempelstadt My Son, das religiöse und kulturelle Zentrum der Cham-Generation aus dem 4. bis 13. Jahrhundert, das ebenso zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

 

Auf dem Weg nach Hanoi legte ich einen Zwischenstopp bei den fantastischen Phong Nha-Grotten ein, deren Stalaktiten und Stalakniten zu den schönsten der Welt zählen. Eingequetscht wie eine Ölsardine, denn der Schlafbus war zu 30 Prozent überfüllt, erreichte ich gerädert Hanoi. Geschockt von dem Straßenverkehr, der noch schlimmer war als in Hue, verkroch ich mich in einer Bar. Eine Straßenüberquerung in Hanoi glich anfänglich einem Himmelfahrtskommando, da tausende Motorradfahrer wie wildgewordene Hornissen auf mich zustürzten und versuchten mich zu killen. Doch schon am nächsten Tag fand ich heraus, dass Frechheit siegt. Ohne Rücksicht auf Verluste überquerte ich von nun an die Straßen, was hervorragend klappte. Am nächsten Tag war ich dann wieder glücklich, denn ich hatte Wasser unter den Füßen. In der weltbekannten, zum Kulturerbe zählenden Halong-Bucht, schipperte ich mit einem Kahn zwischen tausenden Felsinseln umher, die wie Ungeheuer aus dem Meer ragen.

Zurück in Hanoi verließ mich das Glück auch schon wieder, denn meine neue Digitalkamera war weg. Gestohlen oder verloren, das wissen nur die Götter. Am selben Abend stellte ich auch noch fest, dass mein Brustbeutel mit Scheckkarte und 1.300 Euro weg waren. Tags darauf ließ ich meine verloren geglaubte Karte sofort sperren und orderte von meiner Bank neues Moos. Kurz darauf fand ich meinen Brustbeutel wieder, der in einem geheimen Seitenfach meines Trekkingrucksackes lag. Mein eigenes Urteil über mich verschweige ich hier :-)

 

Am Hoan-Kiem-See in Vietnam, lag ich bald darauf wegen meinem Bein im Krankenhaus. Ich fragte mich selbst, “Gang, spinnst du?!“, aber keiner gab mir eine Antwort, nur der Arzt nannte mich einen "crazy fucking guy". Wieder auf freiem Fuße, besuchte ich die Zitadelle mit der eingeschlossenen Kaiserstadt und die verbotene Stadt Tu Cam Thanh. Nach dem Motto „wer rastet, der rostet“, saß ich am nächsten Morgen im Bus nach Ninh Binh. Die trockene Halong-Bucht mit ihren bilderbuchartigen Felsschluchten kann man zu Fuß durchwandern. Doch ich fuhr nach Ninh Hai, wo ich mit dem Sampan-Boot auf einem Fluss zu den drei Grotten ruderte. Die nächsten zwei Tage waren dem Fahrrad gewidmet. Ich besuchte die umliegenden Tempel, kletterte auf Berge und schaute Bauern und Fischern bei ihrer Arbeit zu.

Wieder zurück in Hanoi lag ich noch in derselben Nacht im Schlafzug nach Lao Chai. Der Zug donnerte neuen Abenteuern entgegen in Richtung westliche Berglandschaft.

 

Mein nächstes Ziel war das 2.500 Meter hochgelegene Bergdorf Sa Pa. Der folgende Tag war ein Samstag, an dem der turbulente Wochenmarkt der Black Hmong Bergstämme stattfinden sollte. Ihre dunkelblaue Kleidung, die mit herrlichen Stickereien versehen ist, dazu handgearbeiteter Perlenschmuck und auf jedem Rücken ein Baby, so geben die Black Hmong tolle Fotomotive ab. Überwiegend Frauen mit Kindern schwirrten dort herum und versuchten ihre Handarbeiten an den Mann zu bringen. Am nächsten Morgen fuhr ich 250 Kilometer weiter zum Sonntagsmarkt nach Bac Ha. Ein riesiger Markt, auf dem zwischen den Ständen die stolzen, prächtig dekorierten Blumen-Hmong-Frauen ihren Handel betrieben. Ihre Kleidung sind beeindruckende und wahrhafte Farbkunstwerke.

 

Wieder zurück in Sa Pa, mietete ich mir ein Motorrad, fuhr in einige Black Hmong Dörfer, zu schönen Wasserfällen, Naturparks und beeindruckend angelegten Reisterrassen. Diese Bergregion am Fuße des Phan Sie Pan, dem höchsten Berg Vietnams mit einer Höhe von 3.143 Metern, ist ein einziges Bilderbuch an Naturschönheiten. Es fiel mir wieder mal schwer, von dort abzureisen.

 

Bald stand ich mit gemischten Gefühlen auf der Brücke des Grenzflusses in Lao Chai und fragte mich, was mich diesmal in China erwarten würde? Auf meinen Reisen von 2002, die mich für fünf Wochen nach Tibet führten, oder 2009, als ich die Seidenstraße bereiste, hatte ich von China den denkbar schlechtesten Eindruck.

 

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