Herzlich Willkommen auf der Website des Weltumseglers und Abenteurers Wolfgang Clemens!
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Vortrag 09: World Challenge

Donau – Südsee – Borneo – Madagaskar – Afrika

Seit 1988 segelt der gelernte Kunstschmied, mit seiner selbst gebauten Yacht um die Welt. Dabei hat er kilometermäßig, acht Mal die Erde umrundet. Auf seinem Trip um den Globus lernte er die verschiedensten Naturvölker, einen Bischof, Könige, Diplomaten, Künstler, Erfolgsmenschen, Gangster, Mörder und Bettler kennen.

 

Wolfgang Clemens, alias Gangerl, war in seiner Jugend ein nicht gerade leicht erziehbarer Junge. Nach einer Lehre in München als Kunstschmied brauchte er mehr Freiheit und ging als Mühlenbauer auf Montage. Dabei lernte er seine Frau kennen, zeugte zwei Kinder und glaubte, nach sieben Jahren wäre sein Soll erfüllt. Nach dieser ehelichen Ruhephase ließ er dann so richtig die "Sau" raus. Er betrieb alle Adrenalin-Action-Sportarten, die man sich denken kann, avancierte zum Frauenheld, wurde zweimal zum Faschingsprinz gekürt, erwarb sich als Partylöwe einen Namen und bewies sich als Hans Dampf in allen Gassen. Durch seinen Wagemut verbrachte er viele Monate in Krankenhäusern und sprang dem Teufel nicht nur einmal von der Schippe.

 

Seine Abenteuerlust trieb ihn in ferne Länder, wo er nicht nur die schönen Seiten des Lebens kennen lernte. Auf einer Tauchsafari in Griechenland wurde er mit Amphoren erwischt und man verdonnerte ihn zu zwei Jahren Gefängnis. Doch mit Hilfe einiger Politiker kam er nach 75 Tagen wieder frei. Diese bittere Erfahrung holte ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Nicht aber, dass er nun ein rechtschaffener Deutscher wurde, nein, er fasste nun den Plan, dieser spießigen Welt den Rücken zu kehren.

 

Um diesen Plan ausführen zu können, benötigte er ein Schiff. In 12-jähriger Freizeitarbeit baute er sich ohne fremde Hilfe eine 15 Meter lange, stählerne Segelyacht. Als das Werk schließlich vollendet war, verkaufte er seine Kunstschmiede und sagte "Tschüss". Er hatte nichts mehr außer seiner Mutter und seinen beiden Kindern, die ihn in Deutschland hielten. Seine Devise war, wenn aussteigen, dann richtig.

 

Mit großem Bahnhof wurde er in Regensburg verabschiedet, und der ahnungslose Hochseekapitän schipperte die Donau abwärts durch die damals unruhigen Balkanländer ins Schwarze Meer. Für das touristisch überschwemmte Mittelmeer nahm sich Gangerl nur ein halbes Jahr Zeit. Aber schon da bekamen die bunten Blätter ihre ersten Schlagzeilen. Die King of Bavaria, so wurde Gangerls Schiff getauft, legte sich nichtsahnend in Palma de Mallorca neben eine deutsche Yacht aus Kiel. Deren Crew verlieh ihrer Abneigung gegen Segler aus Bayern dadurch Ausdruck, indem sie das Schiff mit einem Hagel aus Eiern, Tomaten und brennenden Lappen eindeckten. Die Attacke ging auf der Titelseite der Bildzeitung als "Die Schlacht von Mallorca" in die Pressehistorie ein. In diesem Zusammenhang bat anschließend Prinz Michael von Preußen mit einer Flasche Moet Chandon den erzürnten Bayern für das flegelhafte Verhalten seiner Landsleute um Entschuldigung.

 

Für seine erste große Feuertaufe, die Überquerung des Atlantiks, hatte sich Rasmus, der Gott der Winde, für den Aussteiger etwas Besonderes einfallen lassen. Sichtlich erzürnt über so viel Unverfrorenheit eines Möchtegernskippers, schickte er Gangerl den Geschmack eines Weltunterganges. 38 Yachten waren von Gibraltar aus zur Atlantiküberquerung aufgebrochen. 37 gaben auf, eine davon für immer. Aber am Gangerl hatte sich Rasmus die Zähne ausgebissen. Bei Windstärke 12 trieb er tagelang hilflos auf dem Ozean herum, aber an ein Aufgeben dachte der Bayer nicht. Fernab von der touristischen Yachtszene durchkreuzte er die Karibik, Venezuela, Panama und legte wert auf ausgiebige Inlandtouren.

 

Durch den Panama-Kanal, über die Schatzinsel Kokos und Galapagos erreichte er nach 35 Tagen die Marquesas in der Südsee. Dieser große Pazifik unterhalb des Äquators sollte die nächsten fünf Jahre Gangerls Wahlheimat werden. Auf den Tuamotus-Inseln, dem größten Atollgebiet der Erde, widmete sich Gangerl seinem Lieblingssport, dem Tauchen. Auf seinen ca. 6000 Tauchgängen erlebte er nicht selten gefährliche Situationen. Die Aufnahmen von Mund-zu-Mund-Fütterungen von Haien und Muränen wurden vom internationalen Amateurfilmverband mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Sein Faible für Natur und Primitivkulturen trieb ihn immer an Land mit der selben Zuverlässigkeit in Extreme, wie auf See. Über Französisch-Polynesien segelte der Tausendsassa zu einem Meeting mit dem König von Tonga. Drei mal besuchte er Neuseeland, bestieg den Mt. Cook und trampte mit dem Rucksack lange Zeit durch das wunderschöne Land. Über Fidschi erreichte die in Bavaria umgetaufte Segelyacht wieder ein Tauchparadies, Tuvalu. Ein halbes Jahr verweilte der Abenteurer 1991 als erste Yacht im Atoll Nanumea. Gangerl war dort total in die Dorfgemeinschaft integriert und erlebte seltsam anmutende Dinge mit den Eingeborenen. Sowie auf vielen anderen Inseln unternahm er auch dort mit seinem Drachen die Erstbefliegung.

 

Bei kräftigem Wind kreuzte die Bavaria nach Australien, wo er sich wieder ausführlich dem Inland widmete. Auf dem Weg von Tasmanien nach Auckland-Island in der Nähe der Antarktis, geriet Gangerl in einen horrenden Sturm. Zyklon Polly, ein Sturm von 80 kn Windgeschwindigkeit und 20 Meter hohen Wellen, versuchte das Schiff zu zerschmettern. Sieben Tage dauerte dieser Jahrhundertsturm und dabei wurde das Schiff etliche Male mit dem Mast auf das Wasser gelegt. Wieder in Neuseeland zurück, leckten das Schiff und der Kapitän erstmals die entstandenen Wunden. Über Westsamoa, Wallis und Fidschi schlug sich der Globetrotter nach Vanuatu durch. Dort besuchte er die mit Penisköchern bekleideten Turmspringer in Punlap auf Pentacote. Illegal besuchte er daraufhin die Kwaios auf den Salomonen und wanderte dafür wieder einmal ins Gefängnis. Ein besonderes Highlight  für ihn war aber Papua-Neuguinea. Monatelang durchstreifte er den Dschungel, lebte bei den Kannibalen und wurde durch eigene Dummheit fast in den Kochtopf gesteckt. Er lernte durch den Bischof Maier den damals noch lebenden Sir William Wamp kennen. Der Ex-Häuptling vom Stamm der Huli, ein ehemaliger Kannibale, wurde 1965 von der Englischen Queen geadelt, weil er 1935 die australischen Lee-Brüder, die Entdecker des Hochlandes, nicht verspeist hatte. Gangerl besuchte auch die Lepra-Insel Kapingamarangi direkt am Äquator, die fünfzehn Jahre lang kein Schiff mehr besucht hatte.

 

Monatelang pendelte Wolfgang Clemens zwischen den atemberaubenden Inseln der Karolinen Satawan, Truk, Yap und Ifalik. Er erfreute sich an der phantastischen Natur, vornehmlich unter Wasser, und lebte in Harmonie unter exotischen Stämmen. Auf dem Weg zu den Philippinen geriet er mit dem Insel-Chief von Lamutrek in eine heftige Auseinandersetzung und später in einen Taifun. Zwei Jahre durchkreuzte er die unzähligen Inseln und gelang natürlich auch in das gefürchtete Piratengebiet der Erde, der Sulusee. Dort erlebte er den schlimmsten von circa zwanzig Raubüberfällen. Nachts enterten schwer bewaffnete Piraten seine Yacht und als sie auf ihn anlegen wollten, drückte er als erster ab. Einer kippte tödlich getroffen über die Reling, der Zweite kollabierte an Deck. Als der Skipper ihn von Bord befördern wollte, schlitzte ihm der Verletzte den linken Unterarm auf. Clemens zog dem Schurken einen Knüppel über den Kopf und entsorgte die Leiche außenbords. Eine 25 Zentimeter lange Wunde zeugt noch heute vom Kampf in der Sulusee.

 

Total geschwächt durch Denguefieber, auf 63 Kilo abgemagert, flog der abenteuerliche Weltenbummler nach sieben Jahren zum ersten mal in die Heimat zurück. Aus Geldmangel hielt er Diavorträge über seine abenteuerlichen Reisen und arbeitete in seiner ehemaligen Kunstschmiede. Aber er kam mit den Deutschen nicht mehr ganz zurecht. Wie engstirnig, angeberisch und neidisch waren sie doch geworden. Sie leben in einem Schlaraffenland und alles was sie noch kennen ist Hektik und Neid. Nach ein paar Monaten bekam er, wohl durch diesen Stress in Deutschland, große Magenprobleme und stach kurzerhand wieder in See.

 

Ein zweites Mal nahm er Kurs auf Neuguinea und wurde unterwegs von einem fürchterlichen Denguefieber-Anfall eingeholt. Tagelang trieb er mit 42 Grad Fieber im Delirium auf offener See und erreichte fertig und abgemagert Irian Jaya. Wochenlange Trips im Hochland zu den Dani, Lani und Yally-Tribes, brachten ihn in die Steinzeit zurück. Mit fünf Trägern und einem Führer besuchte er Dörfer, die noch nie ein Ausländer zuvor betreten hatte. Mit einer einmotorigen Piper flog er nach Agats in die Sümpfe von Asmat. Er lebte bei den Asmat, Korowais und Kombais, welche ihre Hütten hoch in die Baumgipfel bauen und heute noch immer in grausamen Ritualen Menschen verzehren.

 

Auf dem Weg zu den Philippinen tauchte Gangerl in unentdeckten Tauchparadiesen der indonesischen Inselwelt. Nach seiner Ankunft überfiel ihn wieder das Denguefieber und so sprang er im Krankenhaus von Cebu wieder mal dem Teufel von der Schippe. Auf dem Weg nach Malaysia entkam der Verrückte um Haaresbreite den Sulu-Piraten. Auf Borneo besuchte er die Orang-Utans in Sepilok, viele Dörfer der Ureinwohner und bestieg den Kinabalu, den höchsten Berg Südasiens mit 4.100 Meter Höhe. Als er in Pontianak-Kalimantan auf der indonesischen Seite einklarierte, wurde er, wie so oft, nachts überfallen und ausgeraubt. Diesmal erwischten die Gangster seine gesamte, teure Film- und Fotoausrüstung. In Jakarta angekommen, startete er einen Trip über Bali, nach Komodo, wo die vier Meter langen, fleischfressenden Echsen leben, die letzten Nachfahren der Dinosaurier. Ein besonderes Erlebnis für den Abenteurer war die Waljagd per Kanu und Handspeer auf der Insel Sumatra. Auf dem paradiesischen Chagos Archipel musste der begeisterte Taucher wegen Attacken eines Tigerhaies um sein Leben zittern. Nach 72 Tagen erreichte er dann das Seychellenarchipel und reiste erst weiter, als er alle Inseln dort besucht hatte. Über Madagaskar, dem Vogelparadies Cosmoledo, gelang der Naturfreak ins behüteteste Tieratoll der Welt. Nur ganz wenigen Forschern ist es erlaubt, das einzigartige Naturerbe "Aldabra" zu besuchen. 150.000 Landschildkröten wohnen dort und täglich legen ca. 1.000 Seeschildkröten ihre Eier ab. Nach einem Blitzschlag segelte er ohne GPS nach Afrika und erforschte mit dem Rucksack zwei Jahre lang den schwarzen Kontinent. Dabei legte er auf dem Landweg 52.000 Kilometer zurück, um am Ende zu Weihnachten im Jahr 2000 in seiner Heimat Roding anzukommen.

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© Wolfgang Clemens