Herzlich Willkommen auf der Website des Weltumseglers und Abenteuerers Wolfgang Clemens!
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Vortrag 07: Nepal

Kathmandu, Patan, Bhaktapur, Boudha, Königreich Mustang, Chitavan-Nationalpark

Ende April war die Chartersaison an der Ostküste in Kenia für mich und meine Bavaria vorbei. Bevor ich meine Heimreise nach Deutschland antreten wollte, musste mein Schiff wieder auf Vordermann gebracht werden. Während der Saison fielen mir einige Macken auf, für die ich etwa zwei Reparaturwochen eingeplant hatte. Wie schon so oft, legte ich dann mein Schiff bei Springtide an eine Mauer, um bei Ebbe das Unterwasserschiff zu reinigen und mit Antifouling-Farbe  zu streichen. Wie es halt so ist, entdeckte ich da und dort kleine versteckte Mängel, die ich doch lieber sofort beheben wollte. Somit wurden dann aus den geplanten 2 eben 4 Wochen an Verschönerungs- und Reparaturarbeiten.

Mit innerer Zufriedenheit mein Schiff für die nächste Chartersaison fit gemacht zu haben,  setzte ich sie an die Mooring in einem Yachthafen, packte mich in den Flieger und flog nach good old Germany. 

 

Während der vergangenen Wochen bohrte sich ein Gedanke in meinen Kopf, der mich nicht mehr losließ. Immer schon wollte ich einmal nach Nepal und Tibet reisen. Nachdem mein letzter Landtrip schon einige Zeit zurück lag, kam mir der Gedanke – nach dieser Chartersaison 2003 – gemeinsam mit meinem Freund Günther aus Ingolstadt diesen Trip zu unternehmen. Günther, ein abenteuerlustiger Typ, der schon mehrfach bei mir auf der Bavaria zu Gast war, entpuppte sich über die Zeit als ein Freund, dem ich vertrauen konnte.

 

Zurück in Deutschland dauerte es nicht lange und Günther meldete sich bei mir. Wir planten unsere Reise und beantragten sofort die Visa zur Einreise. Erstes Ziel war Moskau, von dort aus mit der berühmten transsibirischen Eisenbahn in die Mongolei - auf dem Pferderücken weiter durch die Wüste Gobi – von dort aus sollte es uns zu den westlichen Gebirgsregionen führen, die wir durchforschen wollten. Anschließend lag die Einreise über China nach Tibet an.

 

Ein altes Sprichwort besagt „ der Mensch denkt und Gott lenkt“ !! So kam es, dass Günthers Vater schwer erkrankte und Günther im Familienbetrieb dringend gebraucht wurde.

 

Günther vertröstete mich ein paar Wochen, denn er wollte abwarten, bis sich der Gesundheitszustand seines Vaters verbesserte. Irgendwann sagte er dann ab und da war auch schon das Visa zur Einreise für Moskau fast verfallen. Also cancelte ich Moskau und den Trip in die Wüste.

 

Anfang August – ich war seit Juni bereits in absoluter Aufbruchstimmung – packte ich dann meine 7 Sachen, buchte einen Flug nach Nepal und verabschiedete mich bei meinen Freunden in Roding, für die nächsten 3 Monate.

 

Es war kein Problem für mich, alleine zu reisen. Günther wäre aber auch keine Belastung für mich gewesen, eher eine Entlastung. In jedem Fall fühlte ich mich wie gewohnt, frei und flexibel.

 

Mit der Gulf-Air flog ich nach Bahrain,  über Abudaby nach Nepal.

 

Bei meiner Ankunft  in der Hauptstadt Kathmandu regnete es dort aus Eimern. Egal, das konnte meine Hochstimmung nicht im geringsten trüben. Ich war endlich in einem

 

Land dieser Welt, das mich faszinieren sollte, von dessen Menschen ich nur wusste, dass sie sich einem irren Glauben hingeben, den ich als Westmensch kennen lernen wollte. Und nicht nur die Menschen und ihre Lebensart waren es, allgemein ihre Kultur, das Land mit seiner wahnsinnigen Bergwelt, als mächtigstes Beispiel der Mount Everest, .......

 

2 Tage lang vergrub ich mich in einem Hotel in meinen Büchern, in denen ich mich über die Sitten und Gepflogenheiten im Umgang mit den Menschen schlau machte. Weiter fand ich in speziellen Guidebüchern wichtige Informationen über Verkehrsanbindungen und am wichtigsten - alles über mögliche Trekkingtouren, die Voraussetzungen dazu etc. etc.

 

Fürs erste war ich einigermaßen informiert, sogar einen Reiseveranstalter konnte ich aus dem Guidebuch (Reiseführer) entnehmen, der in meiner Nähe sein musste.

 

Gespannt auf meine Erlebnisse machte ich mich am 3.Tag nach meiner Ankunft in Kathmandu auf die Suche nach dem Reisebüro. Bei noch immer strömenden Regenfällen zog ich los und fand das besagte Büro „Nepal-Vision-Treks and Expeditions“ im Tourizentrum Thamel. 

 

(Email: info@nepalvisiontreks.com)

 

Dort buchte ich dann meine erste Trekking-Tour rund um das „Annapurna-Massiv. Schon am darauffolgenden Tag flog ich mit einem Guide (Führer) und einem Träger nach Pokara, zum Ausgangspunkt meiner bevorstehenden Tour.

 

Mit dem Bus zu reisen, war zu dieser Zeit leider nicht möglich, da durch einige Unwetter die Strassen demoliert bzw. sogar zum Teil weggerissen waren. Auch hatten die gefürchteten Maoisten und Soldaten an bestimmten Übergangsstrassen die wir überqueren mussten, ein Gemetzel angerichtet, wobei ca. 50 Menschen ihr Leben verloren. Das brauchte ich wirklich nicht, also flog ich lieber.

 

Die kommenden 4 Wochen sollten sich in der Region des Annapurna - Massivs abspielen, worauf ich mich riesig freute.

 

Das Wetter, wie auch das Gefühl in meinem Bauch, zeigte sich von seiner besten Seite. In Besi Sahar schulterten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg zum Thorong La, dem größten Pass der Welt, 5416 m über dem Meeresspiegel.

 

Jeden Tag quälten wir uns mit unserem schweren Gepäck zwischen 8 und 12 Stunden, Berg auf- Berg ab, überquerten schaukelnde Hängebrücken und mühten uns mit glitschigen Berghängen ab. Da ich schon mit nicht auskurierter Lungenentzündung angereist war, waren die erstern Tager die blanke Hölle. Noch matt und mit weichen Knien plagte ich mich mit ständigem Husten herum und vergaß dabei fast die überwältigende Natur um mich herum.

 

Begleitet von stetem Getöse des Marsyangi-River, kämpften wir uns nach Norden. Dieser Sound wurde Nachts noch stärker, denn es regnete es meist aus Eimern.    

 

Gegen 6 Uhr Morgens hörte es auf und die Sonne versüßte uns den beginnenden Tag, der uns erneute Anstrengungen versprach. Wenn ich dann bei klarer Sicht, eingebettet in ein Wolkenbett, im Morgenlicht den Manaslu, 8156 m ,Annapurna 2, 7939 m, Annapurna 4, 7525 m, Gangapurna, 7454 m, Annapurna 3, 7555 m, Glacier Dom, 7202 m, Kangsar Kang, 7485 m  und den Tilicho Peak, fotografieren konnte, waren all die körperlichen Schmerzen und jegliche Anstrengung vergessen.

 

Jeder von diesen schweigenden Bergriesen hatte schon traurige Geschichten geschrieben. Letztes Drama passierte am Pisang Peak. Dort fanden eine komplette Bergsteigergruppe mit 12 Leuten den Tod.  Nach 8 Tagen hatte sich mein Body an die Strapazen gewöhnt und mein Husten, hatte Dank Antibiotika, nachgelassen.

 

Unterwegs begegneten uns Pilger, die nach Manang zur Milarepa- Höhle, oder nach Mukinath wanderten. Die gnadenlose Hingabe dieser Menschen und diese wahnsinnig überwältigende Natur trugen dazu bei, dass sich in mir einiges änderte. Vieles erschien mir plötzlich total nebensächlich und ich bewunderte nur noch die Leute um mich herum, die mit ihrer überaus großen Freundlichkeit und ihrem absoluten inneren Frieden die glücklichsten Menschen dieser Erde zu sein schienen.

 

Über Khangsar erreichten wir das Tilicho- Basislager, 4200 m hoch,  in dem wir übernachteten. Bei strömendem Regen starteten wir um 5 Uhr morgens in Richtung Kilicho- Lake. Nach 2 Stunden ging der Regen in Schnee über und nach 4 Stunden standen wir, bei strahlendem Sonnenschein, auf dem 5400 m hohen Pass.

 

Der Anblick des Ganga Purna, 7454 m , und des  Tilicho- Peak, 7134 m , sowie dem darunter liegenden, gleichnamigen smaragdgrün schillernden See, raubte mir dem Atem.

 

Über einen gefährlichen Geröllhang, arbeiteten wir uns zum Gletscher vor, der mit einem Eisabbruch im See mündete.

 

Schon 1999, nach der Besteigung des Kilimandscharo, 5896 Meter hoch, war mir klar, dass dies nicht mein Gipfelrekord bleiben wird. Da in Nepal die Besteigung eines Sechstausenders einer Expeditionserlaubnis mit Sherpa (Bergführer) bedarf und auch irre teuer ist, kam das auf eine völlig legale Weise für mich nicht in Frage. Hier aber in der totalen Einsamkeit, fern ab jeglicher Kontrolle, konnte ich es wagen.

 

Ich beriet mich mit Prem, über die Besteigung des nahegelegenen namenlosen Sechstausender. Er sträubte sich dagegen und protestierte.

 

Wie immer setzte ich meinen Schädel durch und machte mich alleine auf den Weg.

 

Nach kurzer Zeit sah ich ihn dann doch hinter mir hertrotten.

 

Als ich ausgepumpt und fertig auf dem No-Name- Gipfel stand, fand ich trotzdem kein befriedigendes Gefühl. Die Schinderei war heftig.

 

Am Abend bauten wir auf 5400 Meter unser Zelt auf, es war bitter kalt und ich fror fürchterlich.

 

Obwohl durch Landlawinen stetig behindert, schlugen wir uns immer zum geplanten Ziel durch. Nepal hatte in diesem Jahr die stärksten Niederschläge seit Menschen gedenken. Viele Menschen verloren durch diese Bergrutsche ihr Leben, manche Bergdörfer wurden sogar total ausgelöscht.

 

An den Bächen fehlten oftmals die Holzbrücken, die durch reißende Strömungen fortgerissen wurden. An manchen Stellen mussten wir durchs eisige Wasser waten, oder von Stein zu Stein springend, um den Fluss überhaupt überqueren zu können.

 

Wie wir später hörten, löste sich ein Brückenfundament aus dem matschigen Erdreich und diese Hängebrücke stürzte in den reißenden Fluss.

 

Dadurch brach die gesamte Versorgung zusammen, denn alle Güter wurden per Träger und Esel bis zum Basiscamp Thorong La gebracht, was ohne die Verbindungsbrücken nun nicht mehr möglich war.

 

Etwa eine Stunde bevor wir Manang erreichten, ging vor uns der halbe Berg ins Tal ab, so mussten wir einen großen Umweg in Kauf nehmen. Jeden Nachmittag kletterten und rutschten wir im strömenden Regen an den Berghängen entlang. Hatten wir 800 Höhenmeter erklommen, ging es garantiert danach 500 Meter nach unten in eine Schlucht. Nach einer durchkühlten Nacht schlüpften wir bei Tagesanbruch in unsere klitsch nassen Klamotten und nur der morgendliche Sonnenschein gab uns den Mut, weiterzuziehen.

 

Herrliche bunt blühende Bergwiesen, mit einer Unmenge an Edelweiß, Enzian und mir unbekannten Blumen öffneten einen ungeahnten Weitblick und ließen alle Strapazen vergessen. Prem zeigte mir riesige wildwachsende Marihuanafelder, die so gar nicht in meine heile Welt passen wollten.  Nach 2 Wochen kamen wir bei starkem Schneefall zum 5414 Meter hohen Thorong-La-Pass.  Im Basiscamp sagte man uns, wir seien die Ersten nach der starken Regensaison, die über den Pass gingen. Abgekämpft, aber happy, erreichten wir den Pilger-Ort Mukinath. Alljährlich kommen hierher tausende gläubige Hindos, die für dieses Ziel schwierigste Anreisebedingungen in Kauf nehmen. Sehr viele Pilger kommen sogar bis aus dem entfernten Indien.

 

Nun waren wir im Königreich Mustang, eine arme, aber von Natur und Kultur reiche Monarchie. Endlich war das ständige Bergaufgehen zu Ende. Es ging abwärts, durch die tiefste Schlucht der Welt.

 

Links vorbei am Nilgiri North, 7061 Meter und rechts der Dhaulagiri, 8167 Meter, folgten wir dem Kalikandaki-Fluß.  In Jomson wurden wir zum wiederholten mal von Militär kontrolliert, denn die Maoisten spielten in Nepal ein böses Spiel.

 

Da hier das Gelände nicht so schwierig wie auf der Ostseite des Annapurna – Massivs war, mieteten wir in Marpha Pferde, um dem Trip ein bisschen mehr Pepp zu geben. Teilweise trabten wir im Flussbett des Kalikandaki Rivers und zeitweise ging es wieder in die  Muren übersäten Steilhänge. Hier zeigte es sich wieder einmal, dass ein ständiger Schutzengel mit mir reist.

 

An einem 60 Grad steilen Abhang, den wir gerade überquerten, war ein kleinerer Erdrutsch abgegangen. Wir stiegen ab und mussten höher in den Berg steigen. Unsere Pferde liefen voraus. Plötzlich und völlig unverhofft schmetterten uns die Brocken einer Lawine um die Ohren. Gestein und Geröll hatte sich gelöst und zu einer rollenden und tosenden Masse vereint, die in heftiger Geschwindigkeit den Berg herab kam. Mein armer Gaul wurde von den Massen erfasst und in den tiefen Abgrund gerissen. Wir konnten uns gerade noch mit einem Hechtsprung zu einer Felsnische retten. Als die erste Aufregung vorbei war und der Berg Ruhe gab, wagten wir uns vorsichtig aus dem Felsspalt heraus und hielten Ausschau nach meinem Pferd. Grauenhaft der Anblick, mit zerschmetterten Gliedern lag mein armer Gaul etwa 100 Meter unter mir.

 

Kurz vor Tatopani kamen wir zu einem herrlichen Wasserfall, an dessen Ende gerade eine riesige Landlawine zu Tal gegangen war und ein Hotel unter sich begrub. Wieder ein Anblick, der mich schockte. Nach Tatopani waren wir bis auf 1200 Meter abgestiegen und mussten nun auf den 3200 Meter hohen Poonhill aufsteigen.

 

Als wir Abends in Ghorepani in unserer Berghütte saßen, kamen ein Schwung von Maoisten zu uns und wollten Geld. Auf Anraten von Prem, um größeren Ärger zu vermeiden gab ich ihnen 500 Nepalrupi ( 6 Euro ). Eine  Gruppe taiwanesichser Mädchen die ebenfalls da waren, folgten meinem Beispiel. Wir konnten Sie überzeugen, dass wir keine reichen Leute waren.

 

Beim Aufstieg zum Ponhill wanderten wir durch ein märchenhaftes Blumenmeer. Riesige Rhododendren-Wälder erhoben sich vor uns und wir stiegen immer Berg auf- und Berg ab. Durch die unzähligen Schluchten um das Annapurna - Massiv, in denen Wildbäche tobten, war man nur auf Zickzack-Kursen,  mit stetig wechselnden Höhen unterwegs. Ab und zu begegneten wir einigen Touristen, die sich keuchend und schwitzend mit dem Berg abmühten.

 

Sie alle hatten nur einen 4-Tagestrip von Pokara ausgewählt.

 

Mit fast klammernden Blick auf den noch unbestiegenen Machapuchhre (auch Fishtail genannt), dem heiligsten Berg Nepals und dem Annapurna South, wanderten wir nun in Richtung Annapurna 1, der hier mit 8091 Meter der höchste Berg ist.

 

Als wir 2 Tage später im Annapurna Basiscamp waren, tobte in der Nacht das schlimmste Gewitter meines Lebens. Umrahmt von Eisriesen fühlten wir uns wie die Maus in der Falle. Das Donnern machte ein solches Spektakel, dass ich an einen Weltuntergang glaubte. Am Morgen war der Spuk vorbei und die Berge strahlten harmlos in der Morgensonne. In der sich erwärmenden Morgenluft, ermahnte das ständige Grollen der Gletscher, zu tiefstem Respekt. 

 

Beim Abstieg vom Basiscamp wollte ich mein verspätetes Morgengeschäft erledigen und begab mich deswegen hinter einen Busch. Dieser Fleck war aber leider schon besetzt! Ein riesiges Untier, größer als ich, erhob sich und wir standen Aug in Aug für einige Sekunden da. Plötzlich machte es einen lauten Grunzer und eilte aufrecht gehend auf die Felswand zu. Ohne sichtbare Anstrengung, kletterte der Riesenaffe mühelos in die Steilwand. Fieberhaft schoss ich einige Fotos, baute mein Stativ auf und drehte einen 10 minütigen Videofilm. Danach sagte Prem zu mir, dass war der Snowpiple. Er habe schon öfter von ihm gehört, ihn aber nun zum ersten mal zu Gesicht bekommen. Noch einige male zeigte ich Bergbewohnern den Streifen und einige nahmen das Wort Yeti in den Mund. Nach 27 Tagen waren wir zurück in Pokara, wo sich der Kreis unseres 1.anstrengenden Trekkingtrips schloss.

 

Schon am nächsten Morgen saß ich im Bus zum Chitavan- Nationalpark. Eingequetscht in Menschenmengen, vorbei an weggerissenen Strassen und Brücken, entlang an schwindelerregenden Steilhängen, über baufällige Notbehelfe, dies alles machte die Busfahrt zum Horror! Als dann auch noch der Bus seinen Geist aufgab, war mein Gemüt am Ende! Spät Nachts erreichte ich dann das Hauptquartier des Chitavan- Island- Jungle- Ressort. Einen Tag später ging es dann auf die Insel, die für 4 Tage meine verdiente Luxusbleibe war.

 

2 mal täglich war Elefantensafari angesagt, ständig auf der Suche nach Tigern, Nashörner und anderem Getier. Da ich eine Art Sonderstellung hatte, musste ich meinen Platz auf dem Rücken des Elefanten nicht mit 3 anderen Touristen teilen. Mein Elefantenführer und ich gingen unsere eigenen Wege. An den letzten 2 Tagen durfte ich sogar den Elefanten selbst lenken. Am 3. Tag stießen wir auf ein Nashorn und am Letzten sogar auf einen Tiger. Dem Ressortleiter, der ja Zoologie studierte, zeigte ich meinen Videostreifen über den Yeti. Seine spontane Aussage lautete „ ein Lemur-Monkey „

 

Doch bald zeigten Runzeln auf seiner Stirn ein unglaubliches Staunen! Das Viech war für einen Lemur-Affen doch etwas zu groß geraten. Diese Art von Affen erreichen ein Maximum  von 1 Meter. Mein Lemur aber hatte die doppelte Größe. Immer wieder betrachtete er den Videostreifen. Danach meinte er, er hätte auch schon von einem existierenden Schneemenschen im Annapurnagebiet gehört.

 

Zurück in Kathmandu, bekam ich merkwürdiger Weise unerwarteten Besuch von 2 Leuten, die mein Video mit dem Affen sehen wollten.

 

Ihren Wunsch konnte ich leider nicht nachkommen, da meine Filme bereits auf dem Weg nach Deutschland waren.

 

Am nächsten Tag saß ich im Flieger nach Lumbini, zur Geburtsstätte von Buddha. Dort besuchte ich viele neu errichtete Tempelanlagen. Den Tempel an der Geburtsstätte und die alten Ruinen des ersten Klosters, dort wo Buddha geboren war. Weiter fuhr ich mit einem Motorrad zu den Ruinen von Tilaurakot. Hier war das damalige Zentrum des Königreiches Suddhodhana, des Vaters von Buddha. In jungen Jahren widmete sich Buddha der Meditation und verlies mit 29 Jahren für immer den Königspalast. Er ging als Prediger nach Indien und legte die Spuren für den späteren Buddhismus.

 

Wieder zurück in Kathmandu steuerte ich sofort mein nächstes Ziel an. Mit gemietetem Kleinbus und Guide fuhren ich bald darauf gen Süden.  Mein Ziel war Janakpur, wo der Tempel von Sita und Ram stand. Eine Kultstätte der Hindus, für den ganzen Subkontinent. Den ganzen Tag lang konnte ich ein Kommen und Gehen im gigantischen Janaki-Tempel beobachten. Tief beeindruckt von der andächtigen Gläubigkeit der Menschen, reiste ich weiter ins Kosi Reservoir. Weite Sumpfgebiet, hervorgerufen durch einen riesigen Staudamm, bieten den verschiedensten Vogelarten dort einen tollen Lebensraum und war ein einziges Biotop.

 

Als mich nach 2 Tagen ein wilder Elefant über den Damm jagte, hatte ich von diesem Paradies die Nase voll. Ich zog weiter durch abgelegene Dörfer und lernte die Ärmsten - aber nettesten Leute kennen. Auf dem Heimweg nach Kathmandu passierte dann etwas fürchterliches. Ein etwa 40 jähriger Mann rannte uns vor das Auto und blieb schwerverletzt am Boden liegen. Blitzschnell sammelte sich eine Menschenmenge an, die entrüstet auf unser Auto einschlugen. Nur einem beherztem Mann war es zu verdanken, dass sich die Meute beruhigte. Der Verletzte wurde sofort in unser Auto verfrachtet und  in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht. Erst nach langer Wartezeit und Bezahlung einer ziemlich hohen Geldsumme. durften wir die Weiterreise antreten.

 

Kathmandu erreichten wir entnervt und nach einer weiteren Nacht in einem Rattenloch.

 

 

 

Zum Mount Everest

 

Da ich mit der letzten Organisation meines Trekkingunternehmens und vor allem mit meinem Guide Prem sehr zufrieden war, wollten wir den Everest-Trip auch gemeinsame machen. Wir flogen also ins nächste Abenteuer nach Lukla.

 

Der Mount Everest feierte in diesem Jahr einen besonderen Geburtstag. Die 50-jährige  Erstbesteigung von  Sir Edmund Hillary wurde gefeiert. Im Flieger saß ich direkt hinter dem Piloten und neben ihm ein Flugschüler, der die Prüfung ablegen sollte. Der Prüfling war nervös, dass sah ich sofort. Er konnte kaum den Vogel in gerader Fluglage halten. Der Pilot musste des öfteren mit etlichen Korrekturen in den Flugablauf eingreifen. Als die Wolken immer dichter wurden und der Vogel zu dicht an einem Berggipfel vorbeiflog, übernahm der Pilot das Steuer. Als ich den Prüfer anschaute, gab er mir mit einem Kopfschütteln zu verstehen, dass war wohl nix.  Durch die vorbeifliegenden Wolken war unter uns, die vorausliegende Landepiste kaum zu erkennen. Als sich unser Vogel der Felswand näherte, an der sich das Dörfchen Lukla schmiegte, hatte ich plötzlich ein kribbeln im Bauch. Aber gekonnt setzte der Pilot den Flieger auf die zur Bergwand ansteigende Piste auf. An diesem Tag war es das letzte Flugzeug, denn kurz nach unserer Ankunft regnete es wieder.

 

Im Regen wanderten wir noch einige Stunden in Richtung Namche-Bazar. Am nächsten Morgen stellte sich wieder mein sprichwörtliches Glück ein, die Sonne schien.

 

Als wir am Abend das Sherpa-Dorf Namche erreichten, waren die gewaltigen Berge wieder hinter dichten Wolken verschwunden. Wegen der Höhenakklimatisation wanderten wir am nächsten Tag nicht höher, sondern nur zum  „Everest  View  Hotel“, nach Khumjung und Kunde.

 

An rechter Seite standen die Felsentürme des Thamserku, 6808 m und Kangtega, 6685 m, dann folgte der imposante Ama Dablam, 6856 m, mit seinen gewaltigen Gletschern und in der Ferne winkte der Lothse, 8501m daneben still und friedlich Sagarmatha „der Mount Everest“, 8848 m.

 

Ein gigantischer und beeindruckender Anblick. Ein Berg von Göttern gemacht, innerlich zerwühlt vor Freude und begeistert von dieser Kulisse, bekamen wir Flügel und zogen los. Zwei Tage dauerte der Anmarsch nach Gokyo. Vor Aufregung konnte ich in dieser Nacht kaum schlafen und so zogen Prem und ich früh am nächsten Morgen los, um den 5400 Meter hohen Gokyo Peak zu besteigen. Eine Bergkette wie aus dem Bilderbuch, im Osten stand der  Riese Makalu, 8475 m dann der Lhotse und daneben prahlte der Gigant Everest.

 

Ein unbeschreibliches Gefühl packte mich, ich kann nicht sagen, war es Ehrfurcht oder dieses Juhu-Gefühl, das einem sagt, schrei`s einfach raus!

 

Im Norden folgten dann der Gyangchung Kang mit 7922 Meter und der 8200 Meter hohe Cho Oyu.  

 

Umrahmt von Achttausendern, glitzerte unter uns der 20 km lange Ngozumpa-Gletscher und daneben lag der smaragdgrüne Fourst-Lake.

 

Unser nächstes Ziel am Morgen darauf war das Cho Oyu- Basiscamp. Entlang einem der längsten Gletscher des Himalajas, mit seinen 200 Meter hohen, durch den Gletscher aufgeworfenen Schuttbergen, ging es in Richtung Cho Oyu. Nach 3 Stunden erreichten wir den Fivet -Lake. Statt das Basiscamp anzusteuern, erklommen wir einen davor liegenden, namenlosen Berg. Nach meinem Gefühl hatte er ca. 6000 m, später stellte sich heraus das er  nur 10 Meter niedriger als der Kilimandscharo war, nämlich 5885 Meter. Als wir zurück nach Gokyo kamen, waren wir 12 Stunden unterwegs und total geschafft. 

 

Am nächsten Morgen besuchte ich einen Eremiten in seiner Höhle, den ich am Vortage entdeckt hatte . Ich kam gerade zu seinem morgendlichem Gebet, welches über eine Stunde dauerte. Ich hatte ihm ein Frühstück mitgebracht und er erzählte mir, dass er nun schon 7 Jahre am meditieren sei und sein großes Ziel de Besuch des Kailash in Tibet wäre. Bei unserer Unterhaltung, zog er sich einen fetten Joint  rein, was bei diesen Eremiten Gang und Gebe ist.

 

Danach überquerten wir nur den Gletscher um uns nach einer nächtlichen Ruhepause dann den Cho La Pass mit einer Überschreitungshöhe  von 5420 Meter vorzunehmen.

 

Nachdem dieser Pass geübten Bergsteigern empfohlen war, trafen wir nur 2 Leute. Als wir gegen Mittag bei gleißendem Sonnenlicht ankamen, empfing uns ein sehr weiter aber flacher Gletscher. Spasshalber baute ich dort einen Schneemann auf, der dominante Ama Dablam, 6856 m

 

Vorsichtig stiegen wir den Gletscher hinab, der immer steiler und vereister wurde. Kurz bevor er in die Senkrechte abfiel, verließen wir ihn und suchten uns zwischen haushohen Felsbrocken den Abstieg. Wieder mal  körperlich völlig erschöpft, erreichten wir bei einbrechender Dunkelheit den Ort Lobuche. Hier traf mich fast der Schlag. Wohin man sah, Zelte, Zelte und nochmals Zelte.

 

Das Everestjubiläum hatte sie alle angelockt.                                    

 

Am Abend hörte ich mir an 2 Tischen den Streit einiger Deutschen an, die wahrscheinlich glaubten, mit der Sänfte zum Everest zu gelangen. Manchen sah man tatsächlich an,  dass sie nicht mal für den Miniaufstieg am Arber, 1500 m, taugten.

 

Früh Morgens waren wir schon auf den Füßen, ich musste diesem Alptraum entfliehen. In Gorakshep auf 5288 Metern, nahmen wir ein kräftiges Frühstück und stürmten auf den 5545 Meter hohen Kala Pattar. Ein herrliches Panorama bot sich unseren Augen, hinter dem Loh La, 7205 m,  und Nuptse, 7896 m, stand dunkel drohend Sagarmatha, „der Mount Everest“, der Berg aller Berge!

 

Beim Abstieg kamen wir an Personen vorbei, die restlos erschöpft waren. Bei zweien hatte die Höhenkrankheit volle Arbeit geleistet, sie waren bewusstlos. 

 

Prem hatte auch einmal ein deutsches Pärchen zu führen. Als sie auf 4000 Meter aus den Socken kippten, musste er die Gute, die bewusstlos war, auf seinem Rücken 300 Meter tiefer schleppen. Die Bewohner im dortigen Dorf, bauten eine Trage und brachten sie ins tiefer gelegene Dorf auf 3300 Meter. Wegen schlechtem Wetter, konnte sie dort der Hubschrauber erst nach 3 Tagen abholen.

 

Wer sich auf solchen Höhen nicht wohl fühlt, sollte sofort umdrehen und tiefere Regionen aufsuchen

 

Am Abend in der Hütte das gleich Chaos. Einige Leute konnten sich nur im Streit wohlfühlen. Eingepfercht wie die Heringe, verbrachten wir eine unruhige Nacht. Manche Leute können nicht mal Nachts ihre Klappe halten und glaubten, wenn sie nicht schlafen konnten, brauchten es die Anderen auch nicht. Im Morgengrauen waren wir schon auf den Füßen, schlürften einen Kaffee und starteten auch schon  zum Everest- Basis-Camp.

 

Entlang dem Kumbu-Gletscher, näherten wir uns dem Basislager, das auf 5500 Meter Höhe lag. Kurz davor passierten wir den im Mai abgestürzten Hubschrauber, der aus noch ungeklärten Gründen abschmierte und im Eis zerschellte . 

 

Im Lager zählten wir dann 42 Zelte einer amerikanischen Bergexpedition. Obwohl verboten, machte ich mich auf den Weg in den Everest-Eisfall. Prem folgte mir wiederwillig, aber was wollte er auch anderes tun, ich wäre ohne ihn gegangen. Nachdem wir dort einige Stunden verbrachten und tolle Fotos schossen, kamen einige Bergwachteln die uns dort heraus holten. Ohne climbing -permit, ist am Basis-Camp Schluss. Nachdem das Wetter plötzlich umschlug und es zu schneien anfing, hatte ich auch nichts weiter dagegen.

 

Bei unserem Abstieg kamen uns noch etliche Leute entgegen, die Bergauf gingen. Wieder vernahm ich ein unangenehmes Streitgespräch im vorbeigehen. Zwei deutsche Frauen zankten sich fürchterlich. Als der Schneefall immer dichter wurde und die Leute immer noch dem Basiscamp zustrebten, forderte Prem die Leute auf, doch lieber umzudrehen. Doch sie hielten ihn wohl für einen Wahnsinnigen. Wie kann man nur so einen Scheiß fordern, kurz vor dem Ziel umzudrehen, wenn man jahrelang darauf hin gearbeitet hat. Am nächsten  Tag  strahlte die Sonne und das Schwingen der Rotorblätter der im Einsatz befindlichen Hubschrauber war den ganzen Tag zu hören. Sie flogen abgestürzte- und verletzte Touris ins Tal.   

 

Am Cho La Pass kamen 4 Leute am Gletscherabbruch ums Leben und am Ama Dablam waren es 3 Menschen, die ihr Leben verloren. Wie sich später heraus stellte, war dort der bekannte Deutsche Bergsteiger Robert Rackel, aus der Nähe von Ingolstadt, ums Leben gekommen. 

 

Der Abstieg nach Lukla war dann nicht nach meinem Geschmack. Ein nicht enden wollender Touristenstrom nervte tierisch. Als ich ziemlich erledigt wieder im Hotel Mt. Holiday ankam, war mein Visa für  „Bhutan“ eingetroffen.

 

Etwas piano beging ich die beiden darauffolgenden Tag. Bei einer Khatmandu-Citytour  besuchte ich all die interessanten Tempel die sich in und um Khatmandu befanden. 

 

Bald schon verabschiedete ich mich wieder von Khatmandu und flog ins nächste Abenteuer - nach „Bhutan“.  

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