Herzlich Willkommen auf der Website des Weltumseglers und Abenteuerers Wolfgang Clemens!
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Zurück in die Hölle

Um der Verfolgung durch die Costguard zu entgehen, segelte ich erstmals 30 Stunden nach Norden und richtete dann den Kurs nach Westen, Richtung Kenia. Doch die Götter mit ihrem oft grausamen Einfallsreichtum, sollten mich nicht in Ruhe lassen.

Am 4. Tag kam starker Wind auf, der sich später zum Sturm steigerte. 6-8 Meter hohe Wellen ließen mein Schiff zum Spielball der Natur werden und jeden Tag ging was Neues kaputt. Erst zerriss der Keilriemen vom Motor, dann löste sich der komplette UV-Streifen der Genua, dann brach die Rollfock und die Umlenkung der Windsteueranlage und Schluss endlich noch das Fall der Sturmfock. Von meinen körperlichen Blessuren ganz zu schweigen, erinnert mich noch heute ein ausgeschlagener Zahn, von diesem Höllentrip.

Durch ungewollte Segelmanöver, durch die 8 Meter hohen Wellen und Brüche an Segel und Windpilot, hatte ich schon einige gefährliche Halsen hinter mir. Das Vorschiff wurde des öfteren, von Brechern total überspült, wobei ich einige Male in heikle Situationen kam. Hätte ich den 17 Meter langen Masten wie geplant mit genommen, wäre ich samt dem Schiff unter gegangen.

Am 9. Tage musste ich mit Bestürzung feststellen, dass ich meinen Heimathafen Kilifi nicht erreichen würde. Am 10 Tag schlichen sich dann schon starke Bedenken ein, noch den letzten Hafen vor der somalischen Grenze zu erreichen. Sollte mir das nicht gelingen, würde dies meinen sicheren Tod bedeuten. Sollte ich nicht an einem Riff zerschellen, würden es die Somali-Piraten erledigen, die jedes Schiff ausrauben und sich der Besatzung entledigen, die sich der somalischen Küste nähert.

Da nun der Äquatorialstrom, der auf die Küste prallt, mit 4 Knoten von Süd nach Nord setzt, würde ich nicht einmal Lamu erreichen. In Panik nahm ich den Motor zur Hilfe und steuerte ununterbrochen 45 Stunden von Hand, da der Windpilot unter Motor nicht funktionierte. Der Sturm wurde immer stärker, die Wellen immer höher, desto mehr ich mich der Küste näherte. Nachts um 24 Uhr war ich dann in der Bucht von Lamu, in die genau der Sturm reinblies. Ich hatte keine Detailkarte, Einfahrtslichter brannten nicht und ein Notruf auf Kanal 16, wurde nicht gehört. Die Wellen hatten sich durch das seichtere Wasser in der Bucht, auf eine Höhe  von 10 Meter aufgeschaukelt und die Yacht wurde einige Male mit dem Masten auf das Wasser gelegt. Um mich herum herrschte Weltuntergangstimmung. Jeglicher Versuch wieder aus dem Hexenkessel zu entfliehen, scheiterte an den hohen Brechern. Bevor ich wieder auf ein Riff geschleudert würde, warf ich in Panik 2 Anker. Ein Hexenschuss, hervor gerufen durch Unterkühlung, warf mich dann gänzlich aus der Bahn. Bis zum Morgengrauen, in brodelnder See, quälten mich dann noch zusätzlich, fürchterliche Magenschmerzen. Am Morgen stellte ich an der weißen Brecherwalze fest, dass ich 100 Meter vor einem Riff die Anker geworfen hatte. Um haaresbreite, hätte ich mein 2. Schiff verloren. Bei Tageslicht die Einfahrt zu finden, war dann relativ einfach.

Die Einheimischen sprachen vom Sturm von noch nie zuvor erlebten Ausmaßes.

Zwei Tage später stellte ich dann fest, dass im Masttop 2/3 des Vorstag gebrochen war. Noch ein paar Stunden länger in dem Inferno und ich hätte den Mast verloren.

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© Wolfgang Clemens