Herzlich Willkommen auf der Website des Weltumseglers und Abenteurers Wolfgang Clemens!
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Singapur

Nach drei Tagen Ausschlafen, Entspannen und Computersitzen, lichtete ich wieder den Anker bevor ich Ärger bekam, da ich schon für Singapur in Port Dickson ausklariert hatte. Ich steuerte, oder besser gesagt der Autopilot, denn ich hatte alle Hände voll zu tun mit Ausschau halten. Ständig hob ich das Glas vor die Augen, denn ich segelte in der Singapur Street auf hunderte Ozean-Riesen zu. Mein Blick richtete sich stets auf den Bug jedes Schiffes, ob ein Ankerball zu erkennen war. Wenn nicht, war Vorsicht geboten, denn der Riese war in Fahrt. Stundenlang fuhr ich mit großer Konzentration und Anspannung im Slalom zwischen den Schiffen und beobachtete auch ständig das AIS. Eine unglaubliche Anzahl an Tanklagern und Raffinerien reihten sich sichtbar an einem der weltweit größten Umschlagplätze für Öl aneinander. Jetzt wurde mir klar, warum Singapur eines der reichsten Länder der Welt ist. In diesem Moment hatte ich überhaupt keine Ahnung, wo ich überhaupt hinwollte. Im Internet hätte ich sicherlich so einiges erfahren, bedauerte aber, dass ich ein Netz-Muffel bin und mich nicht erkundigt hatte. Meine Computer-Seekarte zeigte mir so einige Yachthäfen, die mir aber alle recht teuer zu sein schienen.

 

Langsam nahm auch die Zahl an Umschlagshäfen ab, denn ich näherte mich der Insel Sentosa, auf der ich schon vor zwei Jahren weilte, als ich auf dem Weg zu den Philippinen war. Es ist eine wunderschöne Insel, die absolut verkehrsfrei ist und die man nur mit einer Seilbahn vom Festland aus oder per Schiff erreichen kann. Die ganze Insel ist ein einziger Vergnügungspark. Bei der kleinen Nachbarinsel Keppel Island ankerte ich vor der Marina. Als ich gerade meinen Hunger stillte, wurde ich von Außerhalb gerufen. Drei Marina-Mitarbeiter im Schlauchboot wollten mich verscheuchen, da das Ankern dort verboten sei. Ich bat sie, mich in die Marina hineinzulassen, denn ich wollte ja einklarieren. Nein, ich musste erst zur Immigration auf den Sisters Islands fahren. Mit Wut im Bauch lichtete ich schnell wieder den Anker, denn der Abend näherte sich bereits in großen Schritten. Als ich die Sisters Islands am Computer ausgemacht hatte, steuerte ich darauf zu und erreichte die Inseln nach etwa einer Stunde. Über Kanal 16 rief ich die Immigration, die mir sofort antwortete, ich sollte bei meiner Position warten. An den beiden Anlegestellen wollte ich als Einhandsegler nicht anlegen, denn es herrschten sicherlich 3 Knoten Strom zwischen den Inseln. Ich ließ mich also vor der Insel treiben, bis nach einer Stunde ein Boot der Immigration zu mir kam. Sie fragten mich nach all meinen Papieren und nach dem Dokument eines Agenten. „Scheiße!“, fluchte ich innerlich, nach so einem Agenten hatte man mich vor 20 Jahren das letzte Mal gefragt, als ich nach Afrika kam. Ohne Agenten-Dokument kein Zutritt in Singapur! Ich fragte, da es schon 18 Uhr war, ob ich zwischen den Inseln für die Nacht ankern dürfte, denn ich war sehr müde. Ich erzählte ihnen, dass ich seit Port Dickson nicht mehr geschlafen hatte, denn der Verkehr in der Malakka Street war sehr anstrengend. Am Morgen würde ich dann gleich nach Indonesien weitersegeln. Sie wollten das erst mit dem Büro abklären und würden dann wieder zurückkommen. Aber es kam niemand mehr, man hatte mich wahrscheinlich vergessen. Ich saß Stunde um Stunde an Deck, brachte das treibende Boot immer wieder auf Position.

Inzwischen wurde ich zum fünften Mal von vorbeifahrenden Mitarbeitern der Immigration nach meinen Papieren befragt. „Ich muss hier warten bis mir eure Kollegen von der Immigration Bescheid geben, die schon hier waren“, war jedes Mal meine Antwort. Um 22.30 Uhr platzte mir dann der Kragen und ich ging zwischen den beiden Inseln einfach vor Anker. Kaum war die Kralle auf Grund und ich zum Essen unter Deck, wurde ich auch schon von der Besatzung eines Polizeibootes heraufgerufen. Sie teilten mir wieder mal freundlich mit, ich dürfte hier nicht ankern, da die Anlegestege rechts und links neben mir für die Schiffe der Immigration vorbehalten seien. Wütend weigerte ich mich lautstark den Anker zu liften. Ich erklärte ihnen, ich sei sehr müde und es wäre unzumutbar, jetzt in der Nacht bei diesem dichten Verkehr nach Indonesien oder Malaysia weiter zu segeln. Ich sah wie einer der Polizisten mit der Hauptkontrollstelle telefonierte und nach etwa zehn Minuten erhielt ich endlich die Erlaubnis, an meiner Position liegenzubleiben. Kaum wieder in der Koje wurde ich erneut nach oben gerufen. Das gleiche Spiel begann von vorne. Ein weiteres Kontrollbot, Anruf beim Hauptquartier und nach einer Zeit stiegen zwei Beamte zu mir herüber, ich füllte zwei Formulare aus, bekam einen Stempel in den Pass und sie düsten wieder davon. So passierte das noch drei Mal, dass ein Boot der Port Police zu mir kam und ich mir das Maul fransig reden musste. Nun war ich aber stinke sauer und wollte eigentlich nur weg von Singapur.

Um 4 Uhr brach ein Unwetter los und es blies mit 30 Knoten Wind. Es goss in Strömen, sodass die Sichtweite keine 20 Meter betrug. Ich dachte „wenn das Boot jetzt bei dieser Sicht auf Drift geht, zwischen den vielen Inseln und Riffen, habe ich garantiert die A-Karte gezogen!“ Nach einer Stunde ließ der Wind aber nach, ich legte mich wieder in die Koje, war kurz weggetreten und schon wurde ich erneut wachgerufen. Draußen stand natürlich ein Boot der Immigration und ich wurde gefragt, wann ich denn endlich losfahren würde. „Sakrament in oana Stund“, schrie ich hinüber. Doch es sollte nur eine halbe werden bis der nächste Stinker kam. Ich reichte den Pass mit den ausgefüllten Papieren für die Abreise hinüber, bekam sie nach zehn Minuten zurück und lichtete den Anker. Nur weg aus diesem Land, welches so unfreundlich zu fremden Seglern ist.

 

Später wurde ich dann doch noch von der schönsten Seite Singapurs überrascht, an der mein Kurs vorbeiführte. Entlang an Hochhäusern, die bis in den Himmel zu ragen schienen und durch die sich so mancher Architekt seine Lorbeeren verdient hatte, ging meine Slalomfahrt nach Osten. Ständig hielt ich Ausschau nach dem Wahrzeichen von Singapur. Plötzlich aber tauchte es aus dem morgendlichen Dunst auf. Hoch auf drei Pfeilern lag ein Schiff direkt unter den Wolken, wie ein Ufo von einem anderen Stern. Knapp 200 Meter Höhe misst das futuristische Marina Bay Sands Resort. Als ich näherkam, konnte ich auch die Supertrees, den Flower Dome, den Cloud Forest, das Riesenrad und das wie ein Raumschiff aussehende Museum erkennen. Ständig wechselte mein Blick von den Fantasiebauten Singapurs zu meiner Schifffahrtsstraße und ich fragte mich, was mich wohl mehr faszinierte. Dort die unglaublichsten, von Menschenhand geschaffenen Wunder, und hier um mich herum ein Ameisenhaufen von riesigen Schiffen. Singapur ist eine Stadt der Superlative. 5,5 Millionen Menschen drängen sich auf engstem Raum, mit unterschiedlichsten Kulturen, Religionen und Ethnien. Sie koexistieren nebeneinander und bringen Leben in die Stadt. Das Panorama von meiner Meerseite aus war schlicht gesagt umwerfend.

Plötzlich brachte mich ein ohrenbetäubendes Schiffshorn in die Wirklichkeit zurück. Mein Kopf flog herum und das Herz rutschte in die Hose. Hinter mir stand, hoch wie ein Wolkenkratzer, ein gewaltiger Schiffsbug. Eilig drückte ich auf dem Autopilot 40 Grad Backbord, doch mein Nachfolger wollte auch in diese Richtung. Also hängte ich den Piloten aus und legte das Ruder auf Hart- Backbord. Als das Ungetüm langsam vorbeizog, war ich in Schweiß gebadet. Kurz darauf fiel beim Cargo-Schiff der Anker und ich ging hinter ihm wieder auf Kurs. Hatte ich vor lauter Faszination der Singapur-Highlights und dem starken Schiffsverkehr meine Blicke nur auf die Stadt und auf den vor mir liegenden Schiffsverkehr gerichtet. Meine weitere Fahrt ging vorbei an einem riesigen Areal der Sandaufschüttung. Hunderte Kräne, Bagger und Sand-Lastschiffe ließen neues Land für weitere Superlative dieser Millionenmetropole entstehen. Ich fuhr einen Fluss hoch, zu dessen linker Seite Singapur und auf der rechten Tanjung Pengileh mit Ferry Dock und Marina liegen, mein Einklarierungsziel für Malaysia. Zwischen Ferry Dock und der Navy Station ließ ich den Anker fallen, wasserte das Dingi und klarierte am 22. April 2017 problemlos ein. Zwei Tage erholte ich mich von dem Stress und las weiter mein erstes Buch Korrektur. Dann wurde ich aber schon wieder unruhig, denn ich musste mir Singapurs Megametropole mal aus der Nähe ansehen.

 

Um 8 Uhr des nächsten Tages stand ich vor dem Büro der Fähre, gab meinen Pass ab und wartete zwei Stunden. Als sich dann endlich mit mir sechs Personen eingefunden hatten, die auch auf die Insel wollten, gingen wir gemeinsam zur Immigration, bekamen den Ausreisestempel und düsten mit einem kleinen Fährschiff hinüber nach Singapur.

Ein Taxi brachte mich für 10 Singapur-Dollar, was in etwa 6,50 Euro entsprach, in die Innenstadt und stand kurz darauf im Marina Bay Sands Resort. Dieses Hotel mit 2.561 Zimmern, 50 Restaurants und mehreren Pools, hatte Mister Adelson aus Las Vagas für sage und schreibe 5,6 Milliarden US-Dollar gebaut und wurde am 23. Juni 2010 eröffnet. „Waooo, schier unbegreiflich was der Mensch so alles leistet.“

Da ich um 15 Uhr schon wieder an der Anlegestelle der Fähre sein musste und mir der Preis für die Aussicht deutlich überteuert erschien, ersparte ich mir den Besuch auf der Dachterrasse mit dem 146 Meter langen Infinite-Pool. Ich begab mich zu den nebenliegenden Gardens by the Bay, eine traumhaft schöne Parkanlage mit den Supertrees, in der Form von Bäumen gefertigte Stahlgebilde, die über und über mit Pflanzen und Blumen bewachsen sind. Mit dem Lift ging es hinauf zu den Baumkronen und in 20 Meter Höhe einen Walkway entlang von einem Stahlbaum zum nächsten. Der ganze Park ist ein einziger Traum, was Gartenkunst betrifft. Als ich dann aber noch den Flower Dome besuchte, blieb mir schier der Atem weg. Eine riesige Glaskuppel überspannt einen Blumengarten von ungeahntem Ausmaß. In der Annahme, mehr geht nicht, begab ich mich danach in den Cloud Forest. Als ich durch das Eingangstor ging, donnerte direkt vor meinen Füßen aus gewaltiger Höhe ein Wasserfall herab. Ein künstlicher Berg, der mit einer unbeschreiblichen Pracht an Pflanzen, Blumen, Orchideen und Skulpturen übersät ist, steht unter einer gewaltigen Glaskuppel. Wanderwege, die sich wie eine Spirale um den Berg winden, führen hinauf bis zum Gipfel unter dem Glasdach. Als ich schließlich in Richtung Fähre zurück hetzte, führte mich der Weg am astronomisch aussehenden Museum vorbei und ich bereute es, mir nicht mehr Zeit genommen zu haben.

Wieder auf meiner Segelyacht angekommen, widmete ich mich die folgenden Tage meinem Manuskript, denn nach 30 Jahren Weltumsegelung hatte ich mich entschlossen, ein Buch über meine Abenteuerreisen zu veröffentlichen. Andere Weltumsegler haben Bücher geschrieben, obwohl sie nicht auf ein Zehntel meiner Erlebnisse zurückgreifen konnten.

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