Herzlich Willkommen auf der Website des Weltumseglers und Abenteuerers Wolfgang Clemens!
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Endstation PARADIES

Als meine Gäste Mitte Januar die Bavaria verließen, nahm ich in der selben Nacht noch Kurs auf die Seychellen. Vor der Einfahrt nach Daressalam ( Tansania ) rammte mich fast ein Frachtschiff, dessen Backbordlicht nicht brannte. Mit 30 Knoten hart am Wind und rauer See, kämpfte sich die Bavaria nach Ostern. Am übernächsten Tag war plötzlich der Wind weg und ich musste den Motor zu Hilfe nehmen. 35 Stunden lief die Yacht, bei arschglatter See nach Nord-Osten um in den Gürtel des NO-Monsuns zu kommen. Einem Trennstrich gleich, war der Wind plötzlich wieder da. In flotter Fahrt  bewältigte ich die 1.000 Sm lange Strecke, in 8 Tagen. Vier Tage später kamen schon Freunde aus meiner Heimatstadt Roding und gleich danach vier Gäste aus Berlin. Anfänglich etwas skeptisch wegen dem Kultur-unterschied, entpuppten sie sich als ganz liebe und zugängliche Leute. Die erste Woche verlief harmonisch, bis zum Beginn der zweiten Woche der Satan einen Riegel vorschob. Als wir vor der unbewohnten Insel Marianne ankerten, drehte plötzlich der Wind auf Legerwal und wir wollten Anker auf gehen. Beim Einholen der Kette kam sie kurzstag und der Schäkel am Anker brach. Durch den hohen Schwell strandete die Bavaria sofort auf dem Riff. Auf meinen Hilferuf über UKW erfolgte keinerlei Reaktion. Acht Stunden arbeiteten mein Gast Peter und ich in tosender Brandung. Wir holten uns Abschürfungen und Prellungen, um das Schiff vor Totalverlust zu retten. Doch alles war vergebens.

Tief enttäuscht übernachteten wir am Strand und mein Gemüt war im Keller. Alles was ich besaß, lag da draußen auf dem Riff und ich war am Rande des Ruins.  Am  nächsten Morgen hatte die Zerstörung des Schiffes schon vollen Einzug gehalten. Das Deckhaus war von den Wellen weggerissen, das Schiff war voll Wasser gelaufen und das Innere war mit einer schwarzen Öllache überzogen. 4 Stunden später wurden wir von der Küstenwache abgeborgen.

In La Digue wurde ich sofort auf 200 Euro für die Seenot-Rettung angehalten, obwohl ich nackt bis auf einen Surfshorty war. Sofort bat ich beim Hafenamt, Ministerium für Touristik,  beim Präsidenten und der deutschen Botschaft um Hilfe, aber ich stieß nur auf mitleidloses Schulterzucken. Um Hilfe bei den Einheimischen bittend, dass man mich zur 5 Sm entfernten Insel bringt, um Sachen vom Boot zu retten, scheiterte an den hohen Zubringerpreisen, an denen sie sich gesund stoßen wollten.

Als nach drei Tagen das Wetter besser wurde brachte mich Jeffry zum Wrack, doch die Piraten, hatten schon ganze Arbeit geleistet.  Nach 3 Tagen erfuhr ich, wer die Diebe waren und meldete dies der Polizei. Doch meinerseits, hatte ich damit gar keinen Erfolg. Die Polizei machte sich der Dinge habhaft und riss sich  Alles selbst unter den Nagel. Fragen nach meinem Motorrad und dem anderen Diebesgut, wurden immer mit ausweichenden Antworten abgetan. Auf La Digue waren meine Gäste und ich bei Klaus, einem Bayern untergebracht, der hier mit seiner Frau ein wunderschönes, familiäres, kleines Hotel betreibt. Da ich mir eine dauernde Unterbringung im Hotel nicht leisten konnte, bot mir Klaus seine 10 m Segel-Yacht an.

Die Dufour Classic war ein wunderschönes Schiff, doch total verwahrlost, da es schon 5 Jahre hier im Hafen lag und nicht bewegt wurde. Nach einer Woche bot Klaus mir die Yacht zum Kauf an und ich schlug nach kurzer Überlegung zu. Was sollte ich tun? Nach Deutschland zurück gehen und mit 66 wieder ein Geschäft anfangen, erschien mir unmöglich. Nach Afrika zurück, zu Weib und Sohn, würde mir mit Sicherheit den letzten Nerv rauben. Der bienenstockartige Zustand in meinem Haus, mit der ganzen Verwandtschaft, die alle an meinem Speck nagen, würde garantiert in Mord und Totschlag enden.

Als ich wieder im Besitz einer Yacht war, sah der Horizont schon heller aus. Als ich Bavaria II soweit segelfertig hatte, waren 3 Monate vergangen und ich segelte nach Victoria, der Hauptstadt auf den Seychellen. Als 3 Zeitungen über mein Unglück berichteten, bot ich zu gleich gerettete Dinge der Bavaria zum Kauf an. Sofort bekam ich einen Anruf vom Zoll, die Veräußerung meines Yachtzubehörs sei verboten, da ich dafür keine Einfuhrsteuer bezahlt hätte. Bei Zuwiderhandlung, drohte man mir mit Gefängnisstrafe. Der absolute Hammer aber, sollte auf den Fuß folgen. Als ich mich wegen der Ausklarierung und der Ausfuhr des Bootes erkundigte, traf mich der Schlag. Da Klaus die Yacht nicht in den Seychellen registriert hatte, verlangten sie erst Mals die Registrierung des Bootes. Dann müsste ich mir erst Schiffspapiere auf meinen Namen besorgen und hätte dann 1.200 Euro Ausfuhrsteuer zu bezahlen.

 

Dann kam das Nächste. Ich dürfe die Seychellen erst verlassen, wenn das Wrack auf Marianne Island entsorgt ist. Kostenpunkt: 1.300 Euro pro Stunde, die Dauer der Bergung sei ungewiss. Wut entbrannt über einen so ausnehmerischen Staat, der nur Augen für Millionäre hat, segelte ich nach La Digue zurück. Den geborgenen Masten verkaufte ich Jeffry für einen Apfel und Ei und in der Nacht beluden wir das Schiff mit dem geborgenen Equipment von der Bavaria.

Am nächsten Morgen ging ich in die Reparatur-Werkstatt und ich holte mir, nach längerem Krieg mit der Polizei, mein kleines Motorrad ab. Kaum verladen auf der Yacht, machte ich die Flitze.

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© Wolfgang Clemens